Fast jeder Gegner in dieser Spielklasse besitzt das, was den SG-Frauen fehlt. Minimum ein Quartett, das den Spielen den Stempel aufdrückt um am Ende die Punkte auf die eigene Seite zu ziehen. Das besaßen auch die Gastgeberinnen, die mit Lea Schmögler, Madeleine Heizenröther, Anne Wolf, Jana Hackenbroich und Jasmin Dötsch sogar ein Quintett in ihren Reihen hatten, dass die Geschehnisse auf dem Parkett und da besonders in der zweiten Hälfte klar dominierte. Sie erzielten zusammen nicht nur 21 der 28 Bergtheimer Treffer, sondern bestimmten zudem die Marschrichtung in dieser Begegnung.
Doch in den ersten zwanzig Minuten der Partie liefen selbst diese Fünf der Musik ein ganzes Stück hinterher. Sie mussten sich im ersten Spieldrittel dem gegenüber stemmen, was die Frankenwäldlerinnen in bisher fast allen Oberligaspielen eindrucksvoll demonstrierten. Einsatz, Kampfgeist, Wille und hie und da auch schon mal das eine oder andere technische Kabinettsstückchen im Abschluss mit zählbarem Erfolg.
Es ist schon bewundernswert, wie der Tabellenvorletzte, dem bisher lediglich ein doppelter Punktgewinn gegen das Ligaschlusslicht 1. FCN Handball gelang, sich immer wieder von Beginn an in die Begegnungen hineinwirft und versucht, den jeweiligen Kontrahentinnen alles abzuverlangen. Keine Scheu, auch und vielleicht sogar genau deshalb nicht, haben die Schützlinge von Gerald Wölfel gegen die Spitzenteams der Liga. Ein solches ist auch der HSV Bergtheim, der nach Abschluss des Spieltages punktgleich mit dem TSV Wendelstein (Platz zwei) auf dem dritten Rang und damit in Lauerstellung hinter Spitzenreiter HBC Nürnberg liegt.
In einer torarmen Anfangsphase waren die Mädels aus Helmbrechts und Münchberg jederzeit hochkonzentriert und ließen die Gastgeberinnen nicht davonziehen. Auch ein Verdienst von Romina Harich im SG-Gehäuse, die immer wieder zählbare Bergtheimer Erfolge verhinderte. Da schlichen sich auf einmal Unkonzentriertheiten bei den Unterfranken ein, die die Gäste schnell zum eigenen Vorteil werden ließen. Was folgte war eine Rarität im Hallenhandball. Lediglich 1:19 Minute benötigte Emma Roßner für einen lupenreinen Hattrick zur 6:4 SG-Führung, was die Gastgeberinnen für Minuten etwas lähmte.
Antonia Panzer setzte dann noch einen Doppelschlag hinterher und plötzlich lagen die Gäste mit drei Treffern in Front. Sie hatten sich etwas vorgenommen für den Rückrundenauftakt und das gelang fast über die komplette erste Hälfte. Dann aber wurde es dem HSV Bergtheim doch zu viel. Die Ligadritte hatte alles auf dem Schirm nur nicht das Vorhaben, sich in eigener Halle vom Tabellenvorletzten vorführen zu lassen.
Nach und nach wurde der Hebel umgelegt. In der 21. Minute gelang mit dem 9:9 endlich der Ausgleich, dem bis zum 11:11 weitere völlig ausgeglichene Minuten folgten. Dann war es auch ein Stück weit SG-Wurfpech, dass dem HSV in die Karten spielte, der so noch zu einer knappen 13:11 Pausenführung gelangte.
SG-Trainer Gerald Wölfel erwähnt es in seiner späteren Analyse. „Wir waren in der ersten Halbzeit sehr gut unterwegs und hätten trotz der Schwierigkeiten im Umgang mit dem Spielgerät bis zur Pause vielleicht sogar das Unentschieden halten können und das wäre unter dem Strich auch verdient gewesen.“ So Wölfel, dem nach Wiederanpfiff schnell bewusst wurde, dass jetzt der SG ein anderer Wind ins Gesicht weht.
Die Gastgeberinnen kamen wie aufgedreht aus der Kabine zurück und ließen ab sofort keine Zweifel am späteren Sieger mehr aufkommen. Zwar stemmten sich die Gäste mit allen was ihnen zur Verfügung stand dem drohenten Unheil gegenüber, doch sahen sie sich jetzt immer hilfloser dem HSV-Druck ausgesetzt. Das 13:15 in der 33. Minute war der letzte knappe Zwischenstand in diesem Match. Danach wurde die Begegnung immer einseitiger. Das hatte seinen Grund. Rahel Tautenhahn, die wieder einmal zu den treibenden Kräften in Reihen der Gäste gehörte, schied in der 43. Minute verletzt aus.
Es entstand eine Lücke, die in diesem Aufeinandertreffen nicht mehr geschlossen werden konnte. Die Gästeaktionen wurden immer mehr Stückwerk. Jede Mitspielerin wollte so gut es ging Rahel Tautenhahn ersetzen. Doch passierte im Übereifer genau das, was eigentlich verhindert werden sollte. Es häuften sich die technischen Fehler und Fehlwürfe, die zudem immer wieder aus schlecht vorbereiteten Aktionen heraus entstanden.
So nahm das Unheil seinen Lauf, zumal bei Eva Matus wieder die Knieprobleme auftraten und auch sie angeschlagen aus der Partie ausstieg. Was auf SG-Seite dann noch übrig blieb, waren Verzweiflung und Enttäuschung, weil nach gutem Start am Ende wieder kein Ertrag stand. Lediglich Romina Harich betrieb noch Schadensbegrenzung und sorgte mit einer Reihe an Glanzparaden dafür, dass die Gastgeberinnen nicht die 30-Tore-Markte knackten. Der 9:3-Lauf des HSV in der Schlussviertelstunde war letztlich die Folge des Unheils, das über die Wölfel-Schützlingen im zweiten Abschnitt hereinbracht.
Trainer Gerald Wölfel, der für klare Worte bekannt ist, nach dem Abpfiff: „Unsere Personaldecke ist einfach zu dünn. Die Last lag auch schon vor den Verletzungen hauptsächlich auf Emma Roßner als Ankurblerin, die ihren Job weitgehends gut löste.“ „Trotzdem – wir haben die zweite Hälfte regelrecht verkackt!“
Und damit bestätigte Wölfel sicherlich auch die Tatsache, dass die vielen Fehler im zweiten Abschnitt Grund für die klare Niederlage waren, die sich so beim Seitenwechsel auch nicht annähernd abzeichnete. Es ist und bleibt in dieser Saison auch ein Kraftproblem. Die Körperlichkeit ist bei der jungen Truppe gegenüber den Etablierten dieser Liga eben ein ganz andere und damit auch ein Hauptgrund warum die SG in der Tabelle dort steht, so sie eben steht. Auf Rang 11 und damit auf einem direkten Abstiegsplatz.
Bleibt nur zu hoffen, dass eine Woche reicht um die Verletzten bis zum kommenden Samstag wieder fit zu bekommen. Dann heißt der nächste Auswärtsgegner ab 18:00 Uhr TV Marktsteft und dort wären die Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden ohne Rahel Tautenhahn und Eva Matus von Beginn an eher gering.
HSV Bergtheim – SG Helmbrechts/Münchberg 28:16 (13:11)
SG Helmbrechts/Münchberg: Harich – Panzer (3), Leupold (1), Popp, Brett (1), Tautenhahn (5/1), Matus, Denk, Roßner (5), Lutz (1), Fechner.
Schiedsrichter: Förster/Ludwig (Michelfeld) – Zuschauer: 80 – Zeitstrafen: 1; 3. – Siebenmeter: 3/2; 1/1.
