Spielfrei sind an diesem Wochenende die Männer der SG Helmbrechts/Münchberg in der Handball Oberliga Nord, weil sie auf Wunsch ihres Gegners den ersten Rückrundenspieltag ins alte Jahr vorverlegt und dort diese Begegnung bereits am 19. Dez. 2025 bei der SG Rödental/Neustadt mit 26:31 verloren haben.
Dagegen findet der Rückrundenauftakt für die SG-Frauen termingemäß am Samstag um 18:00 Uhr beim Tabellenvierten HSV Bergtheim statt. Jetzt könnten an dieser Stelle einfach kurz und knapp die Daten aufgelistet werden, die die aktuelle Tabelle nach Vorrundenabschluss hergibt. Mit nur einem Sieg gegen das noch punktlose Ligaschlusslicht 1. FCN Handball Tabellenvorletzter mit bereits 9 Zählern Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Bedeutet eigentlich, dass am Ende der Saison wohl der Weg in die Bezirksoberliga Oberfranken angetreten werden muss. So zeichnet es sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ab.
Für die Insider ist diese Situation erklärbar, für den Handballinteressierten nicht unbedingt auf den ersten Blick. Deswegen an dieser Stelle noch einmal nach hinten auf den Saisonbeginn geschaut und dabei die Situation wie sie sich bei den SG-Frauen in dieser Saison darstellt zum besseren Verständnis aufgezeichnet.
Was personell im Damenbereich bei der SG Helmbrechts/Münchberg in den zurückliegenden beiden Jahren passiert ist, kann eigentlich nur dem absoluten sportlichen Wahnsinn gleichgesetzt werden. Unabhängig davon, dass Torhüterin Mia Hahn aus gesundheitlichen Gründen in dieser Saison pausiert, fiel Leni Zinkler nach bereits drei Spieltagen komplett aus.
Dass die SG in den zurückliegenden beiden Jahren aber auf insgesamt 12 Stammspielerinnen aus verschiedenen Gründen wie Studium – auch damit verbundene Auslandsaufenthalte, Wegzug aus beruflichen Gründen oder auch Beendigung der Laufbahn verzichten musste, reduzierte den Kader nicht nur personell sondern vor allem qualitativ. Nach dem Abstieg aus der Bayernliga -jetzt Regionalliga- gleich wieder ein Oberliga-Spitzenteam zu formen, war somit schon im Vorfeld realitätsfern.
Aus dem ehemaligen Bayernligastamm verblieb lediglich Emma Roßner, aus dem erweiterten Kader noch Lena Popp, Eva Matus und Debbie Lutz. Es ist nicht bekannt, ob höherklassige Vereine in den zurückliegenden Spielzeiten einen ähnlichen Aderlass durchstehen mussten. Die letzten Saisons haben immer wieder gezeigt, dass bei Mitkonkurrentinnen trotz wesentlich entspannteren Situationen auch schon einmal der Rückzug einer Mannschaft die Lösung für den Moment war. Diese Überlegung gab es bei der SG nicht. Auch deshalb nicht, weil die gute Jugendarbeit der beiden Stammvereine TV Helmbrechts und TV Münchberg von SG-Beginn an fortgeführt wurde. Auch in dieser Saison ist man mit zwei Nachwuchsteams in der Oberliga vertreten.
Die aktuelle Tabelle und der wahrscheinlich am Ende der Saison folgende Abstieg in die Bezirksoberliga Oberfranken ist die eine Sache. Eine ganz andere die Herangehensweise zukunftsorientiert gedacht. Dazu Damen-Spielleiter Florian Bär: „Ich bin echt mega stolz, dass wir es gerade schaffen eine natürliche Gesundung aus komplett eigener Kraft im Damenbereich einzuleiten.“ „Und das nicht nur bei der ersten Mannschaft, sondern trotz all der Abgänge auch beim zweiten Damenteam.“
Das geschieht mit Trainer Gerald Wölfel und Betreuer Leon Frischmann für die 1. Mannschaft und mit Stefan Roßner und Daniel Schrepfer als Trainerduo für das zweite Damenteam. Diese Gespanne denken schon jetzt saisonübergreifend und sichern damit auch die Planungssicherheit bei den SG-Frauen.
„Das so hinzubekommen war ein großer Kraftakt und war mir deswegen besonders wichtig. Schon allein deshalb, weil bei uns in der SG eine durch alle Jahrgangsklassen bestens strukturierte und immer wieder von Erfolgen begleitete Jugendarbeit betrieben wird, die weit über die Region hinaus ihresgleichen sucht.“
So Florian Bär zur Gesamtsituation im Damenbereich, dem es zudem darauf ankam, den Fans und Handballinteressierten die aktuelle Situation einmal näher vor Augen zu führen.
Unter dem Gesichtspunkt des großen Aderlasses und des damit verbundene Neuaufbaus geht die Mannschaft mit dem Rückrundenstart in der Oberliga ab Samstag in eine zweite Halbserie, in der weiter an der Verbesserung von System, Durchschlagskraft und Konkurrenzfähigkeit gearbeit wird. Mithalten konnten die SG-Frauen in vielen Begegnungen dieser Spielzeit. Auch dann wenn am Ende die Punkte beim Gegner landeten.
Eines dieser Beispiele war der Saisonstart gegen den Rückrundenauftaktgegner und Regionalligaabsteiger HSV Bergtheim. Obwohl die Schützlinge von Trainer Gerald Wölfel im Hinspiel immer wieder einen 3-4-Tore Rückstand hinterher laufen mussten, zeigten sie bereits dort, dass in dieser Truppe Potential steckt. Nie aufgesteckt, immer weiter gekämpft um bis zur 55. Minute die Partie zu drehen. Was fehlte war seinerzeit die Kaltschnäuzigkeit und die fehlende Cleverness um den Vorsprung ins Ziel zu bringen. So stand am Ende eine knappe und unglückliche 19:21 Niederlage gegen einen Gegner, der sich im Moment noch ganz dick im Rennen um die Spitzenplätze zu einer sofortigen Rückkehr in die Regionalliga befindet.
Ob der Rückrundenauftakt am Samstag ab 18:00 Uhr in der Bergtheimer Willi-Sauer-Halle so oder ähnlich verläuft, bleibt abzuwarten. Vor allem die Gastgeberinnen werden kein Interesse an einem ähnlichen Spielverlauf haben, zumal sie die beiden Punkte fest eingeplant haben, um ihre Lauerstellung im Spitzenquartett zu festigen.
Dort bestreitet der HSV Bergtheim mit der HSG Pleichach und dem TSV Wendelstein einen Dreikampf um den Relegationsrang hinter dem souveränen Spitzenreiter HBC Nürnberg.
Die SG ihrerseits will alles versuchen, um den Bergtheimerinnen das Siegen schwer zu machen. Dazu möchten die Gäste gerne an die letzten Vorrundenleistungen wie dem 20:22 gegen die HSG Nabburg/Schwarzenfeld oder dem 31:33 gegen den TSV Wendelstein anknüpfen. Dort haben die Mädels aus Helmbrechts und Münchberg gezeigt, dass sie längst in der Liga Fuß gefasst haben. Es sind zur Zeit nur Kleinigkeiten die Punktgewinnen im Wege stehen. Der Feinschliff ist das Ziel, damit sich in absehbarer Zeit auch die Erfolge einstellen. Vielleicht schnuppern die Gäste auch am Samstag in Unterfranken wieder an einem Zähler.
Die Mannschaft ist guter Dinge, auch und vor allem in Anbetracht der Eingangs geschilderten Gesamtsituation, die es weiterhin Schritt für Schritt zu verbessern gilt.
Trainer Gerald Wölfel vor der Partie in Bergtheim: „Der Tabellenstand ist für uns nicht maßgebend. Wir wollen mit unseren Mitteln guten Handball spielen und 100 % Einsatz zeigen.“ So Wölfel, der damit keinen Druck aufbaut aber insgeheim vielleicht doch auf einen Achtungserfolg hofft.
Der Wochenend-Gesamtspielplan der SG-Teams
Samstag 10.1. – Heimspiele in Münchberg
14:30 Uhr weibliche D gegen TV Gefrees
16:00 Uhr männliche C gegen TSV Hof 1861
17:45 Uhr männliche B gegen HBC Nürnberg
Samstag 10.1. – Auswärts
11:45 Uhr weibliche B2 bei HaSpo Bayreuth
15:00 Uhr Damen 2 beim HSV Hochfranken
18:00 Uhr Damen beim HSV Bergtheim
Sonntag 11.1. – Auswärts
16:00 Uhr Herren 3 beim TSV Hof 1861
