Das war ein äußerlicher Rahmen, wie er würdiger für einen Saisonabschluss nicht hätte sein können. Der Meister HC Erlangen III gab sich die Ehre und die SG wollte zusammen mit ihren Fans eine gelungene Saison feiern. Das gelang rundum. Nicht nur, weil die beiden Mannschaften all das auf´s Parkett brachten, was den Handballsport richtig ansehnlich macht.
Das was auf den Rängen geschah, hätte nicht stimmungsvoller sein können. Fast 500 Zuschauer wollten ihre SG noch einmal unterstützen und dabei sehen, mit welcher Übermannschaft die Gäste die Saison 2025/2026 in der Oberliga/Nord dominiert haben.
HCE Trainerfuchs Tobias Wannenmacher hat ein Vorzeigeensemble, das mit einem Großteil dieses Kaders völlig zu Recht im Endkampf um die deutsche A-Jugendmeisterschaft steht. Das berühmte Haar in der Suppe war aus Erlanger Sicht an diesem Tag die Tatsache, dass in den SG-Hallen ohne Harz gespielt werden muss. Das ist der Hauptgrund, warum das HCE-Juniorenteam diesmal die 40-Tore-Marke nicht knackte. Zudem konnte der eine oder andere Spielzug wie auch so mancher Wurf nicht mit letzter Perfektion und Präzision zu Ende gebracht werden. Das schmälerte den Auftritt der Universitätsstäder aber in keinster Weise.
Viel Sehenswertes, was die Fans in der Halle geboten bekamen und da wollten die Gastgeber nicht nur Zuschauer sein, sondern ein gewichtiges Stück zum Gelingen des Nachmittags beitragen. Das gelang den Hausherren vom Anpfiff weg. Doch nach dem Führungsteffer von Miroslav Mares entpuppte sich Gästekeeper Henri Wiechers als Spielverderber. Er zeigte einmal mehr, was gute Torwartschulung, gepaart mit entsprechendem Stellungsspiel bedeutet.
Er fischt für Minuten alles weg und ermöglichte, dass zweimal Michael Fuchs und gleich dreimal Fabian Kreuzer auf 1:5 stellten. Die beiden brachten es am Ende zusammen auf 14 Treffer. An dieser Stelle sei gleich ein Blick auf die Ausgeglichenheit im HCE-Kader geworfen. Nicht weniger als sechs weitere Spieler kamen am Ende auf drei bis fünf Treffer. So ist und bleibt eine Mannschaft für alle gegnerischen Abwehrreihen jederzeit schwer berechenbar, was Erlanger Stärke unterstreicht.
Zudem flexible HCE-Abwehrarbeit, die es diesmal dem SG-Angriff erschwerte, sich immer wieder schnell auf neue gegnerische Defensivmaßnahmen einzustellen. Den Gastgebern gelang dies trotzdem immer wieder sporadisch, so dass sich der Rückstand über eine längere Phase bei 4-5 Toren einpendelte. Dass die SG nicht näher herankam lag auch daran begründet, dass die Gäste eine nahezu perfekte schnelle Mitte nach Gegentoren spielten.
Auf ein SG-Tor folgte oft der schnelle Gegentreffer. Zudem erteilte Erlangen III Anschauungsunterricht beim Abschluss auf den Außenpositionen. In der Summe war der 13:19 Gästevorsprung beim Seitenwechsel verdient. Was dann hätte durchaus passieren können, die Gastgeber dies aber unter allen Umständen vermeiden wollten – ein Erlanger Schützenfest, wie es in X-Begegnungen dieser Saison immer wieder vorgekommen ist.
Trainer Christian Seiferth stupste seine Truppe für den zweiten Abschnitt nochmals an und die krempelte die Ärmel noch ein letztes Mal in dieser Saison ganz weit hoch. Was folgte war ein Klasseauftritt in den zweiten dreißig Minuten, der immer wieder vom Beifall von den Rängen begleitet wurde. Die Palette auf beiden Seiten hat alles geboten.
Klasse Torhüterleistungen, kompakte Abwehrreihen und spektakuläre Spielzüge mit entsprechenden Abschlüssen und da gehörten auf die Würfe ins jeweils verweiste gegnerische Gehäuse dazu, wenn aus taktischen Gründen die Keeper herausgenommen wurden. SG-Keeper Felix Behrens konnte sich auf diese Art gleich zweimal in die Torschützenliste eintragen.
Erlangen immer mit der berühmten Nasenspitze vorne, die Gastgeber von der Torfolge her aber immer weiter im gegnerischen Nacken. In der 50. Minute roch es plötzlich nach möglicher Überraschung. Sollte die Göbelhalle für den souveränen Meister tatsächlich am letzten Spieltag nochmals zum Stolperstein werden. Die SG-Fans hofften es just in dem Moment als Julian Merz zum 29:30 Anschluss einnetzte.
Doch warum der HCE III der derart überragend durch die Liga marschierte, zeigte er unmittelbar nach diesem Tor. Die Zügel im Nu ganz fest angezogen, reichten knapp fünf Minuten um wieder auf sechs Treffer davonzuziehen. Mehr wurde es aber bach dem 29:35 nicht mehr. Auch deshalb, weil die Gastgeber alles gaben, um zumindest eine Halbzeit gegen den Titelträger der Liga Remis zu gestalten. Das gelang mit dem 19:19 nach dem Seitenwechsel und damit ein mehr als ordentlicher Gesamtauftritt gegen eine Mannschaft, deren Meisterschaft und Aufstieg in die Regionalliga hochverdient ist.
Die SG geht nach einer kräftezehrende Saison in die verdiente Sommerpause und wird sich dann für die Spielzeit 2025/2026 neu aufstellen.
Mit dem abschließenden Blick auf die Tabelle sieht man die SG Helmbrechts/Münchberg mit 22:22 Punkten auf Rang fünf. Dank einer überragenden Vorrunde wurde der Klassenerhalt bereits drei Spieltage vor Saisonende eingetütet und damit ein weiteres Jahr Oberligazugehörigkeit gesichert. Das ist das was zählt, nichts anderes. Was die künftigen hochfränkischen Derbys betrifft muss man jetzt mit zwei hoffenden Augen auf die Nachholpartie am 11. April zwischen der SG Auerbach/Pegnitz und der DJK Waldbüttelbrunn II schauen.
Gewinnen die Oberpfälzer dieses Match, dann muss die HSV Hochfranken zurück in die Bezirksoberliga und die SG Helmbrechts/Münchberg wäre in der kommenden Saison einmal mehr einziger hochfränkischer Vertreter in der Oberliga – allerdings ohne Derbygeschichte, zumindest für ein Jahr.
HANDBALL MÄNNER Oberliga Staffel Nord
SG Helmbrechts/Münchberg – HC Erlangen III 32:38 (13:19)
SG Helmbrechts/Münchberg: Hurt, Behrens (2) – Opel, Panzer (3), S. Pritschet, Zach (4), Schrepfer (2), Bär (6/6), Pöhlmann (3), Mares (3), Gmach (1), Merz (3), Jo. Roßner (1), J. Pritschet (4).
Schiedsrichter: Nihad Besirovic / Muamer Delic (Bayern München) Zuschauer: 480. – Zeitstrafen: 5; 4. – Siebenmeter: 6/6; 3/3.
