Am Ende waren sich die Fans in beiden Lagern einig. Ein Unentschieden hätte dieser Partie nach Abpfiff besser zu Gesicht gestanden. Schon allein deshalb, weil beide Kontrahenten über 60 Minuten ablieferten und deutlich unter Beweis stellten, warum sie auf Rang drei und vier das breit gefächerte Mittelfeld anführen.

Es war über weite Strecken eine Begegnung, in der jederzeit guter bis sehr guter Oberligahandball geboten wurde. Mal mit leichten Vorteilen auf der einen und dann auch wieder auf der anderen Seite.

So war auch der Torverlauf von Beginn an, wobei die Gäste wesentlich besser aus den Startlöchern kamen. Den 0:1 Rückstand hätte bereits im Gegenzug Jonas Roßner durch Siebenmeter egalisieren können. Gelang nicht, doch wenig später war er es und zweimal Miroslav Mares, die den Gast mit 3:1 nach vorne brachten. Mares musste in diesem Spiel auf der Position von Darek Zach in die Bresche springen, weil Letztgenannter verletzungsbedingt nicht mitwirken konnte. Doch Mares fühlte sich in dieser Rolle gut aufgehoben und steuerte insgesamt sieben Treffer bei.

SG-Trainer Christian Seiferth zog wieder einmal ein Trumpfass aus seiner Taktikkiste und ließ über die gesamte Distanz 7:6 im Angriff agieren, was den Gastgebern erhebliches Kopfzerbrechen bereitete. Nur ein direkter zählbarer Wurf durch Forchheim´s Keeper ins verweiste Gästegehäuse und ein weiterer aus dem Spiel bestätigten, wir richtig Seiferth mit seiner Entscheidung lag.

Die war der Grund, warum die Gastgeber sich immer wieder die Zähne ausbissen. Vorne ideenreich und hinten kompakt hatte die SG ihren Laden im Griff und ließ Forchheim nicht die gewünschten Freiräume. Immer wieder mit einer Überraschung in der Vorhand waren die Frankenwäldler im ersten Abschnitt nach zwischenzeitlich wechselnder Führung jederzeit richtig gut dabei.

Dass es in den ersten dreißig Minuten kein vogelwildes Zielschießen wurde, lag auch an den geordneten Abwehrreihen, die beide gute Torsteher hinter sich wussten. Die wiederum konnten sich in den meisten Fällen auf ihre Vorderleute verlassen, die immer wieder das gute Torhüterspiel unterstützten. Rutschen, übergeben, blocken – all das erleichterte auf SG-Seite Lukas Hurt seinen Job vor dem Seitenwechsel. Die Gastgeber waren in der Defensive schon ein Stück weit mehr gefordert, weil sie sich eben permanent sieben Angreifern gegenüber sahen.

Inmitten dieses abwechslungsreichen Spiels gelang erst Jonas Roßner mit dem Treffer zum 10:12 und danach Daniel Schrepfer zum 11:13 eine Zweitoreführung, die man eigentlich in die Pause hätte retten können. Doch dagegen hatte Forchheims Benedikt Gräsl etwas, der mit einem Doppelschlag egalisierte. Trotzdem reichte es -erneut durch Jonas Roßner- noch zur 14:13 Gästeführung nach dreißig Minuten.

Diesen knappen Vorsprung hatte sich die SG erarbeitet und nach Wiederanpfiff mit einem weiterhin engagierten Auftritt auch verdient. Denn bis zum 15:17 agierten die Mannen aus Helmbrechts und Münchberg für Minuten aus einem Zweitorevorsprung heraus und hätten zu diesem Zeitpunkt nachlegen können, vielleicht sogar müssen. Gelegenheiten hierzu waren vorhanden. Was fehlte, war in der einen oder anderen Szene der Killerinstinkt beim Abschluss.

Das ging mal mehr, mal weniger gut. Je nach dem, inwiet der Gegner daraus Kapital schlagen konnte.  Was den HC betrifft, der konnte dies bis zum 19:20 Rückstand nicht entscheidend. Dafür in den folgenden MInuten um so mehr. Was niemand in der Halle für möglich hielt, trat dann doch ein. Das Plus schlug sich zwischen Minute 42:38 beim Stande von 19:20 und 49:09 (25:20) auf Seiten der Gastgeber, die in diesem Abschnitt erstmals an der Vorentscheidung schnupperten.

Nicht deshalb, weil die Gäste jetzt plötzlich ihren Faden verloren hätten. Nein, sie verloren kurz hintereinander durch zwei Zeitstrafen Personal auf der Spielfläche und damit gab es für fast vier Minuten ein entscheidendes Überzahlspiel für die Hausherren. Diese Minuten nutzte Forchheim gnadenlos aus und bewies und das nicht nur in dem Abschnitt, wie gut die Truppe aus der fränkischen Schweiz inzwischen in der Oberliga Fuß gefasst hat.

Dass aber ein Urgestein aus der früheren Landes- und jetzt Oberligajahren nicht knapp 10 Minuten vor dem Abpfiff bei fünf Toren Rückstand die Flinte ins Korn wirft, das bewies die SG Helmbrechts/Münchberg mit Nachdruck. Die Ärmel hochgekrempelt und nochmals alle Körner in die Schüssel geworfen machten sich die Seiferth-Schützlinge an die Aufholjagd.

Als Jan Pöhlmann nach 57:07 Minuten der 26:27 Anschlusstreffer gelang, schien dann tatsächlich noch Zählbares in greifbare Nähe zu rücken. Doch dann waren es wirklich Nuancen, die den Ausschlag über Sieg und Niederlage gaben. Vielleicht war es auch das berühmte Quäntchen Glück, dass die Gastgeber in den Schlusssekunden für sich in Anspruch nahmen und der Heimvorteil, der in solchen Momenten schon zum Rückenstärker wird.

Für die Gäste steht unterm Strich eine Niederlage, die den verdienten Lohn für einen richtig guten Auswärtsauftritt verhinderte. Die Zuschauern fühlten sich über 60 Minuten bestens unterhalten und zollten nach Abpfiff beiden Kontrahenten den verdienten Beifall.

Mit diesem Ergebnis tauschten Forchheim und Helmbrechts/Münchberg die Ränge drei und vier. Liegen damit aber noch immer drei bzw. vier Punkten vor den Verfolgern und haben jetzt das Ziel Klassenerhalt in unmittelbarer Reichweite vor Augen.

SG-Trainer Christian Seiferth nach dem Abpfiff.
„Uns war klar, dass die Flippers in eigenen Gewässern ein dicker Brocken sind. Taktisch haben wir es über 60 Minuten eigentlich sehr gut gelöst. Was uns letztendlich das Genick gebrochen hat, waren die etwas fragliche doppelte Unterzahl und die eigene Chancenverwertung.“

 

HANDBALL                    MÄNNER                    Oberliga Staffel Nord


HC Forchheim – SG Helmbrechts/Münchberg         29:27    (13:14)


SG Helmbrechts/Münchberg: Hurt, Behrens – Panzer (2), S. Pritschet (4), Kritzenthaler, Schrepfer (1), Pöhlmann (2),  Mares (7), Gmach, Merz (4), Ja. Roßner, Jo. Roßner (5),  J. Pritschet (2).

Schiedsrichter: Herceg / Mc Kie (München)  Zuschauer:  180. – Zeitstrafen: je 4.  – Siebenmeter:  3/2; 4/2.