Schützenfest ist nur einmal im Jahr! Nicht bei den Männern der SG Helmbrechts/Münchberg. Die schickten innerhalb von zwei Wochen zuerst den MTV Stadeln mit 42:33 und jetzt die SG Auerbach/Pegnitz mit 40:33 auf die Heimreise. Vor allem die oberpfälzische/oberfränkische Spielgemeinschaft konnte sich bei den Gastgebern bedanken, dass die in der zweiten Halbzeit die Zügel gewaltig schleifen ließen und so den Gästen phasenweise sogar die Dominanz überließen.
In Halbzeit eins oder genauer definiert bis zur 36. Minute drohte den Gästen ein Desaster. Denn bis dahin erteilten die Seiferth-Schützlinge ihrem Kontrahenten eine Handball-Lehrstunde. Bis zum Zwischenstand von 24:11 zeigte sich phasenweise ein Klassenunterschied. Die viel gelobten Gäste-Torjäger Maxim Pankratz und David Klima wurde von der einheimischen Abwehr auf´s Abstellgleis gestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt gelangen Klima gerade mal zwei Treffer. Er brachte es in dieser Partie am Ende trotzdem noch auf insgesamt sieben Buden. Pankratz dagegen ging in dieser Begegnung komplett leer aus, was die über weite Strecken hervorragende Abwehrarbeit der Gastgeber nochmals nachdrücklich unterstreicht.
In einem der viel zitierten 50:50-Spiele, wo beide Kontrahenten im Vorfeld genau wussten, um was es für sie geht, faden die Hausherren vom Anpfiff weg in die Spur. Jan Rohrbach, der mit sechs Toren zu den Aktivposten der Gäste zählte, eröffnete mit dem 0:1 den Torreigen. David Klima zum 1:2 und Johannes zum 2:3. Das war´s dann aber auch mit mit den Auerbach/Pegnitzer Führungen.
Von Minute zu Minute drückten die Frankenwäldler der Partie immer mehr ihren Stempel auf. Der Ball lief durch die heimischen Angriffsreihen nahezu fehlerfrei. Was folgte waren ebensolch sichere Abschlüsse, die in der Folge eine schnelle Vergrößerung des Vorsprungs nach sich zogen. Noch aus dem Hinspiel im Gedächtnis waren es damals die Abwehrreihen, die über die jeweiligen Angreifer dominierten.
Das war diesmal nur auf heimischer Seite so. Denn dort hatte man die Gästeangreifer früh und sicher unter Kontrolle. Dank disziplinierter Abwehrarbeit und einen hervorragenden Felix Behrens zwischen den Pfosten. Wogegen im Umkehrfall Auerbach/Pegnitz seine liebe Mühe und Not mit dem heimischen Angriff hatte. Immer wieder fanden die Gastgeber die Lücke. Schon am Ende der Anfangsviertelstunde stand eine 11:5 Führung für die heimische SG, deren Angreifer bei diesem Spielstand aber noch lange nicht ihren Torhunger gestillt hatten.
Ob Darek Zach oder die quirligen Außen Silas Pritschet und Julian Merz, die diesmal mit fast 100%iger Außen-Quote überzeugten, auch Jonas Roßner und Jakob Pritschet streuten immer wieder ihre Treffer ein. Der Angriff der Hausherren war einfach nicht zu kontrollieren. Das hatte auch zur Folge, dass nach gut 15 Minuten bei den Gästen John Niclas Martin den bis dahin glücklosen Max-Anton Seiffert zwischen den Pfosten ablöste.
Den Gastgebern konnte dadurch weder Spielfluss noch Tordrang genommen werden. Die heimische Tormaschine lief weiterhin auf Hochtouren mit teilweise sehenswerten Treffern zu denen sich diesmal auch eine 100%ige Siebenmeterausbeute von Christoph Bär gesellte. Sechs von sechs nervten zusätzlich die Gästekeeper.
Gegen Ende der ersten Halbzeit baute sich -zumindest optisch erkennbar- schon ein Stück weit Verzweiflung bei den Gästen auf. Die, man muss es an dieser Stelle erwähnen, sogar noch von Glück sprechen konnten nur mit 10:19 in die Pause geschickt worden zu sein.
Verzweiflung folgte dann schon fast Resignation, als die Gastgeber mit Vehemenz in den zweiten Abschnitt starteten und dabei die Führung auf 24:11 ausbauten. Aber es wäre nicht Helmbrechts/Münchberger Art in dieser Saison, vor allem in Heimspielen, wenn man nicht just bei solch deutlichen Führungen anfängt den Hebel nach der falschen Seite umzulegen.
Das War schon gegen die HSV Hochfranken so. Auch gegen den TV Marktstefft, wo man am Ende trotzdem immer gut über die Ziellinie gekommen ist. Das ist man auch in dieser Partie und sogar verhältnismäßig deutlich. Doch trotzdem ist es interessant, wie von einer auf die andere Minute plötzlich ein anderes Spiel auf dem Parkett stattfindet. Zwei, drei technische Fehler, zusätzlich drei, vier Fahrkarten. Der Gegner trifft und das gleich mehrmals. Die Partie wird offener, die Abwehrreihen gelockerter. Die Tore fallen in kürzeren Abständen. Dazu kippt das Verhältnis zu Gunsten auf die Gegenseite und schon hatten die Mannen um Jonas Roßner und Jakob Pritschet den Faden komplett verloren.
Auerbach/Pegnitz, das bei 13 Treffern Rückstand drauf und dran war die Partie vollends abzuschenken witterte Morgenluft und nahm plötzlich mit viel Spielfreude und Tatendrang wieder am Geschehen teil. Natürlich tatkräftig von den Gastgebern unterstützt, denen allerdings zu Gute kam, dass sie trotzdem nach Gästeaufholjagd immer wieder Treffer einstreuten. Vor allem beim 30:25 in der 49. Minute, als es plötzlich richtig eng zu werden schien, bewahrte ein kleiner Lauf die Frankenwäldler vor größerem Flurschaden.
Jetzt machten die Gastgeber wieder Ernst und setzten bis zum 38:30 den Deckel drauf. Der Rest war nur noch Ergebniskosmetik auf beiden Seiten. Den Gästen muss man bestätigen, dass sie sich trotz fast aussichtslosem Zwischenständen nie aufgaben und am Ende vielleicht sogar dieses Ergebnis so akzeptieren konnten.
Bei den Hausherren muss in der Zusammenfassung der letzten 25 Minuten doch an der einen oder anderen Stelle der drohende Finger erhoben werden. 23 Gegentore in der zweiten Halbzeit sind Bestätigung für den Leistungsabfall.
Das soll aber keinesfalls die Vorstellung der ersten 35 Minuten unter den Teppich kehren. Denn dort zeigten die SG Helmbrechts/Münchberg einmal mehr ihre Schokoladenseite und demonstrierte den Handball, den ihre Fans auch gerne einmal über die kompletten 60 Minuten sehen möchten.
Trainer Christian Seiferth lobte am Ende vor allem die Einstellung seiner Jungs, mit der sie in diese Begegnung hineingegangen sind.
„Das Spiel war ein Beispiel dafür, was Wille und Einstellung bewirken können. Ich denke wir wollten das Ding zu 125% auf unsere Seite reißen – diesen Umstand hat man, vor allem in der ersten Halbzeit, in jeder einzelnen Haarspitze jedes einzelnen Spielers gesehen.“ So Seiferth zusammenfassend.
Jetzt steht die einwöchige Faschinspause ins Haus, bevor die Frankenwälder am 21. Februar in der Forchheimer Realschulturnhalle versuchen werden, sich für ihre Vorrundenheimniederlage gegen den HC Forchheim zu revanchieren.
SG Helmbrechts/Münchberg – SG Auerbach/Pegnitz 40:33 (19:10)
SG Helmbrechts/Münchberg: Hurt, Behrens – Panzer (2), S. Pritschet (5), Zach (7), Schrepfer, Bär (6/6), Pöhlmann (1), Mares (1), Gmach, Merz (8), Ja. Roßner (1), Jo. Roßner (5), J. Pritschet (4).
Schiedsrichter: Grimm / Müller (Cadolzburg) Zuschauer: 280. – Zeitstrafen: 4; 2. – Rote Karte: Attije Jahn (Aulerbach/Pegnitz 35. Minute) Siebenmeter: 6/6; 3/2.
