Nach hinten in den Statistiken geblättert wird es sie immer und immer wieder geben. Die Spiele, wo mit einem Augenzwinkern versehen eigentlich schon im Vorfeld klar ist: Punkte ins Kuvert, Briefmarke drauf und dann in den Briefkasten.
Am Ende steht dann immer das gleiche Ergebnis. Die Oberliga-Punkte gehen an den Gegner, in diesem Fall dem TSV Roßtal, dem es zum X-ten Mal gelungen ist, in eigener Halle die Oberhand gegen die SG Helmbrechts/Münchberg zu behalten.
Da passt auch der Satz von Trainer Christian Seiferth treffend dazu: „Another black saturday in Roßtal.“
Mit dem Blick auf das gegnerische Personal hätte dies im jüngsten Fall nicht unbedingt so eintreffen müssen. Die Gastgeber mussten auf einige Leistungsträger verzichten und zudem den Nackenschlag verkraften, dass Spielmacher Marco Ehrmann in der 30. Minute mit glatt Rot in die Kabine geschickt wurde. Durch diese Ausfälle geschwächt konnte spätestens zu Beginn der zweiten Hälfte von Vielem gesprochen werden, aber nicht mehr von einem personellen Übergewicht der Gastgeber.
Diese wiederum waren aber an diesem Tag von Beginn an bereit, mehr in dieses Aufeinandertreffen zu investieren. Vielleicht legte auch deshalb jeder eine Schippe mehr drauf, um die Ausfälle zu kompensieren. Im Anbetracht des Restpielplans waren die Fürther Vorortler gut beraten in ihre beiden Heispiele alles reinzuwerfen, um dort die noch notwendigen Punkte zum Ligaerhalt zu sichern.
Mit dem Erfolg ist der erste Schritt gelungen, zumal sie jetzt auf Rang fünf den Frankenwäldlern bis auf einem Punkt auf die Pelle gerückt sind. Die Gäste ihrerseits wussten aber auch, dass zum sicheren Ligaverbleib noch vier Zähler benötigt werden. Demzufolge liebäugelten sie schon damit, Minimum einen Zähler mit in den Frankenwald zu entführen.
Drei Gründe sprachen dafür. Zum einen der Erfolg aus der Vorrunde. Die Tatsache hinzugerechnet, dass ein Remis schon gewaltig Druck aus den jetzt noch drei Begegnungen dieser Saison herausgenommen hätte. Verbunden mit dem Vorhaben, endlich einmal aus Roßtal etwas mitzunehmen. Die Körpersprache der ersten Minuten bestätigte die Umsetzung dieser Ziele zumindest auf den ersten Blick nicht zwingend.
Die Gastgeber legten vor und das machten sie über die gesamte Distanz. Die SG in der Verfolgerrolle – kein erfolgsversprechender Umstand. Diese Erfahrung machten die Mannen aus Helmbrechts und Münchberg schon öfter. Ergebnistechnisches Hinterherlaufen ist nicht unbedingt SG-Ding. Wenn dann noch ein vollgeharzter Ball und ein Gegner, der mit diesem Umgang vertraut ist hinzukommt, das ist es mit der guten Laune der Gäste auch schnell wieder vorbei.
Es sind und bleiben zwei paar Schuhe. Der Umgang mit und ohne dem Haftmittel Harz. Der Ungeübte wird so schnell zum Loser, weil oft die einfachsten Sachen misslingen. Pässe schon auf kurze Distanz gehen ins Nirgendwo. Würfe überall hin, nur nicht ins gegnerische Gehäuse. Und wenn man sich mit zunehmender Spieldauer dann einigermaßen auf das Spielgerät eingestellt hat, dis Justierung besser wird, gesellte sich diesmal der nächste Spielverderber hinzu. André Schramm im TSV-Gehäuse verhinderte vor dem Seitenwechsel deutlich mehr Gästetreffer, die wiederum der SG später für ein wesentlich knapperes Halbzeitergebnis fehlten.
So entwickelte sich in Halbzeit eins eine Begegnung, die komplett auf Seite der Hausherren kippte. Sie lagen schon Mitte der ersten Hälfte meist mit vier, fünf Toren vorne. Hinzu kam, dass die SG zu keinem Zeitpunkt in der ersten Halbzeit Zugriff auf das Roßtaler Tempospiel bekam.
Mit diesem schraubten sie den Vorsprung immer weiter in die Höhe. Mit spielentscheidend waren die Passagen zwischen der 16. und 22. Minute, wo Roßtal die Führung von 9:5 auf 15:7 und dann noch ab der 25. bis zur 30. Minute, wo die Gastgeber auf 19:9 stellten. Im modernen Handball ist alles möglich. Auch große Rückstände in einer Halbzeit noch zu drehen.
Doch Anlass zu allzugroßem Optimismus veranlasste auf SG-Seite die Darbietung der ersten 30 Minuten nicht. Trotzdem muss man den Gäste bescheinigen, dass sie viel dafür taten, um im zweiten Abschnitt etlliches wieder gerade zu biegen. Der Auftritt wurde jetzt ein anderer. Mehr Wille, mehr Entschlossenheit und ein völlig ausgeglichenes Geschehen mit vielen guten Momenten.
Das Spielgerät richtig zu kontrollieren, gelang aber zu keinem Zeitpunkt in diesem Match. Da lagen auch weiterhin die Vorteile klar bei den Fürther Vorortlern, die sich über die gesamte Spieldauer gesehen, diesen Vorteil klar zu Nutze machten. Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist deshalb schnell erzählt. Die SG war jetzt deutlich besser oder vielleicht sogar richtig okay dabei. Für eine Wende reichte es aber nie.
Trotz dieser Pleite rangieren die Frankenwäldler weiterhin auf Rang vier, wenn auch nur noch mit hauchdünnem Vorsprung vor den Verfolgern. Trainer Christian Seiferth brachte es deshalb nach dem Spiel und einem kräftigen Durchschnaufen gezielt auf den Punkt:
„Der absolute Fokus muss jetzt auf dem nächsten Heimspiel gegen Waldbüttelbrunn II liegen.“, so Seiferth treffend. Gelingen dann die angepeilten Punkte und spielt auch die Konkurrenz ein Stück weit mit, dann kann für die beiden letzten Begegnungen bei der HSG Lauf/Heroldsberg und daheim gegen den Meister HC Erlangen III vielleicht eine neue und wesentliche einfachere Vorausberechnung erstellt werden. Im allergünstigsten Falle ist diese dann gar nicht mehr notwendig.
HANDBALL MÄNNER Oberliga Staffel Nord
TSV Roßtal – SG Helmbrechts/Münchberg 34:23 (19:9)
SG Helmbrechts/Münchberg: Hurt, Behrens – Panzer (1), S. Pritschet (2), Zach (5), Schrepfer (2), Bär (1/1), Pöhlmann (1), Mares (2), Gmach, Merz (3), Ja. Roßner (1), Jo. Roßner (4), J. Pritschet (1).
Schiedsrichter: Kupfer (Freising) / Stelzer (München) Zuschauer: 190. – Zeitstrafen: 4; 3. –Rote Karte: 30. Min. Marco Ehrmann (Roßtal) – Siebenmeter: 5/5; 5/3.
