Nach nur 56 Sekunden brachte Julian Merz die Gastgeber zuerst auf die Anzeigentafel. Danach war SG-TW Felix Behrens gleich zweimal Endstation für Rödentaler Würfe. Kritzenthaler vollstreckte vom Kreis aus zum 2:0. So war früh für hervorragende Stimmung auf den Rängen gesorgt. Damit wurde auch die Aussage kurz vor der Partie von SG-Trainer Christian Seiferth bestätigt: “Wir sind absolut fokussiert und haben das Ziel Heimsieg fest im Auge.”

Aber auch die Gäste wollten ihre bis dato blütenweiße Weste nicht beschmutzen lassen. Nach dem 2:2-Ausgleich folgten von der Torfolge her enge Minuten. Das hatte gleich mehrere Gründe. Oft war bei den Torstehern auf beiden Seiten Endstation. Aber öfter und eigentlich viel zu oft, waren hüben wie drüben technische Fehler an der Tagesordnung. Was geboten wurde, war auch ein Stück weit gelebtes Chaos auf dem Parkett, das sich beiden Kontrahenten in diesem Abschnitt gegenseitig abverlangten.

Sicherlich kommen in solchen Phasen auch immer die Nerven mit ins Spiel. Die Gastgeber noch mit der unglücklichen und eigentlich vollkommen unnötigen Heimniederlage aus der Vorwoche gegen Erlangen-Bruck 2 im Rücken, konnten, wollten und durften auf keinem Fall verlieren. Allein schon deshalb nicht, weil man sich alles andere als einen 2:6-Punkteauftakt bei dann schon 3 Heimspielen vorstellte.

Die Gäste in der komfortablen Ausgangslage mit 3 Auftaktsiegen in eigener Halle als Spitzenreiter angereist, wollten natürlich ihrerseits nahtlos ans Punkte sammeln anknüpfen. Genau diese Konstellation machte nicht frei, sondern hemmte oft auch gutgemeinte Aktionen. So dauerte bis zur 16./17. Minute, ehe ein Doppelschlag von Johannes Reif und Dominik Aust der SG erstmals eine Zweitoreführung brachte.

Doch Rödental/Neustadt war keinesfalls gewillt, sich diese Partie früh aus den Händen nehmen zu lassen und deshalb blieben die Gäste weiterhin auf Tuchfühlung. Gespielt waren genau 14 Minuten. Beim 4:5 zeigte die Anzeigentafel die erste und wie sich später herausstellen sollte, auch die einzige Gästeführung.

Das spricht in erster Linie dafür, dass die Seiferth-Truppe sich bestens auf den Gegner vorbereitet hatte und trotz der wieder einmal oft fahrlässigen Chancenverwertung bis zum Wechsel dennoch meist aus einer knappen Führung heraus agieren konnte. Die 13:12-Pausenführung ließ weiter hoffen, ob die SG vielleicht doch als erstes Team den Tabellenführer ein Bein stellen kann.

Genau mit diesem festen Willen im Gepäck kam die SG aus der Kabine zurück. Prompt nutzte man auch die sich bietenden Gelegenheiten besser, sodass es Philipp Troßmann vorbehalten war, mit dem 16:13 erstmals für eine 3-Tore-Führung zu sorgen. Das ließ den Stimmungspegel in der Halle weiter steigen. Doch auf der Woge des Erfolges versäumten es die Hausherren, den Sack früh zuzuschnüren. Es waren aber auch die Gäste, die ihren Teil dazu beitrugen und die Spannung stets am oberen Limit hielten.

Von 16:13 auf 16:16, dann von 19:16 auf 19:18 und von 21:18 auf 21:20. Die HSG Rödental/Neustadt kämpfte verbissen um zumindest einen Zähler und wollte die Partie bis zum Ende offen halten. Es waren bereits 52 Minuten gespielt, als beim Stande von 21:20 der HSG´ler Andreas Schlücke für 2 Minuten auf die Bank musste.

Genau diese Überzahl kam den Hausherren zur rechten Zeit. Dominik Aust mit verwandelten Siebenmeter und Jakob Pritschet mit elanvollem Abschluss sorgen für das 23:20. Als in den folgenden Minuten SG-Keeper Felix Behrens mit 3 weiteren Glanztaten seinen Kasten vernagelt und Johannes Reif das 24:20 erzielte, glich die Halle einem Tollhaus.

Nimmermüder Einsatz der Spielgemeinschaft aus dem Coburger Land ließen den Vorsprung nochmals auf 2 Treffer schmelzen. Christian Peetz und Johannes Reif setzten in der Schlußphase mit einem Doppelschlag den Deckel drauf.

Damit wären auch schon Matchwinner genannt. Die Erfahrung von Christian Peetz war mitentscheidend, dass er in der Schlußphase 2 Treffer beisteuern konnte. Johannes Reif steht für den Spielwitz und jugendlichen Elan, der den Weg in die Zukunft der SG Helmbrechts/Münchberg zeigt. Er war nicht nur wegen seiner 8 Treffer maßgeblich an der ersten Niederlage der Gäste beteiligt. Zusammen mit Jonas Roßner und dem alles überragend Torhüter Felix Behrens stand er diesmal federführend für die neue Generation bei der SG Helmbrechts/Münchberg. Den Routiniers im Team wird es weiterhin vorbehalten sein, Rückhalt für die Jungen zu sein und damit erfolgreich am Aufbau und der Handballzukunft 2021 plus bei der SG mitzuarbeiten.

Da stand am Ende ein überglücklicher Trainer Christian Seiferth, der strahlend sagte: “Wir haben heute alle Hindernisse überwunden und mit einer klasse Teamleistung überzeugt.” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

SG Helmbrechts/Münchberg – HSG Rödental/Neustadt 28:24 (13:12)

SG Helmbrechts/Münchberg: Behrens, Hurt (Tor); Kalas (3), Opel, Aust (4/3), Kritzenthaler (1), Reif (8), Mayer, Merz (1), Lad, Troßmann (3), Roßner (4), Pritschet (1), Peetz (3).

Schiedsrichter: Göckel (Wendelstein); Wölfel (Röthenbach).

Zuschauer: 270

Zeitstrafen: SG 3; HSG 5.

Siebenmeter: SG 4/3; HSG 3/3.

Spielfilm: 2:0, 2:2, 4:5, 7:5, 8:8, 11:10, 13:12 (HZ); 16:13, 16:16, 19:16, 19:18, 21:18, 21:20, 24:20, 24:22, 26:22, 26:24, 28:24.