Die Schlagzeile könnte auch so lauten: 38:38 Ausgleich fiel um einige Sekunden zu früh! Denn nach Tor und Auszeit Gast, blieben der SG DJK Rimpar II für den letzten Angriff immerhin noch 16 Sekunden und die benötigten die Unterfranken dann nicht einmal komplett um den für sie letztlich glücklichen, aber keinesfalls unverdienten Siegtreffer zu erzielen.

Nun standen sie da, die Mannen der SG. Mit gesenkten Köpfen weil in diesem Moment jedem heimischen Akteur bewusst wurde, dass ein über weite Strecken überragender Auftritt unbelohnt blieb. Was zählt sind Punkte und da hätte zumindest einer die SG im Moment einen ganz gewichtigen Schritt in Richtung vorzeitiger Klassenerhalt gebracht.

Fans sind in solchen Situationen erst einmal sprachlos. Sie haben alles gegeben und ihre SG stimmgewaltig und mit Trommelwirbel über die gesamte Distanz unterstützt. Vielleicht hat einer der Sätze, die unmittelbar nach der Schlusssirene gefallen sind, den Nagel auf dem Kopf getroffen. „Wir reden immer von gerechten Unentschieden.“ Diesmal wären aufgrund der gezeigten Leistungen beider Beteiligten schon eher zwei Punkte für jeden der faire Lohn gewesen. 

Erstens gibt es aber das so nicht und zweitens folgte einmal mehr der deutliche Beweis, dass Gerechtigkeit im Sport dann wohl doch eher die Ausnahme ist. Genau an diesem Punkt hakte auch Trainer Christian Seiferth ein.

Er formulierte es so.
„So ist der Sport – nicht immer zu 100% gerecht. Ich denke die Jungs haben über 60 Minuten eine super Moral gezeigt, aber davon können wir uns am Ende nichts kaufen.“

Dass Spitzenspiel nicht nur angekündigt war, sondern auch so in den Köpfen steckt bewies schon der Kader, mit dem die Unterfranken angereist waren. Bestbesetzung!
Zum Einen, weil man unter allen Umständen die beiden Punkte auf dem Weg zur Regionalligarelegation mitnehmen wollte. Aber auf der anderen Seite auch wusste, dass die wiederum nur mit einem nahezu fehlerfreien Auftritt aus der Göbelhalle auch entführt werden können.

Dass am Ende sich das Ganze in Richtung Start-Ziel-Sieg bewegte, gibt die Torfolge her. Weil ab dem 0:1 bis zum Abpfiff die Gäste immer die Nase vorn hatte, ausgenommen die mehrmaligen Ausgleichstreffer in den letzten 10 Minuten. Es war auch die Phase, in der es die Gastgeber in der Hand hatten,  in dieser Partie vorzulegen. Ob von Außen, vom Kreis oder auch vom Siebenmeterpunkt.

Jeweils bei Gleichstand gescheitert. Das war das Quäntchen Glück, dass sich in diesen Augenblicken auf Gästeseite schlug. Wer weiß, wie die Schlussphase sich entwickelt hätte, wenn ausgerechnet in der Crunchtime die Gastgeber die Gunst der Stunde genutzt hätten, um einmal aus der Vorhand zu agieren. Die Schlussminuten wäre mit Sicherheit andere geworden. So ist es aber gelaufen wie es nun eben gelaufen ist. Die Punkte nimmt Rimpar mit nach Unterfranken, der SG bleiben die leeren Hände.

Die Zuschauer kamen in dieser dramatischen und auf sehr hohem Niveau ablaufenden Begegnung voll auf ihre Kosten. Mit offenem Visier standen sich die Kontrahenten gegenüber und hatten aufgrund des Hochgeschwindigkeitshandballs dieser Partie oft gar nicht die Möglichkeit positionstreu zu agieren. Den Ballführer irgendwie in den Griff bekommen. Das entwickelte sich so während des Spiel mit vielen 1:1-Situationen auf beiden Seiten.

Da mögen viele denken, die dem Match nicht beiwohnen konnten: Keine Abwehrreihen, keine Torhüter? Das ist in beiden Fällen und auf beiden Seiten aber ganz anders gewesen. Der 20:22 Pausenstand mag auf dem ersten Blick etwas anderes signalisieren. Hätten die Abwehrreihen über weite Strecken nicht gut gestanden und die Torhüter hüben wie drüben nicht etliche Male glänzend reagiert, u.a. bei der Verhinderung von Siebenmetertreffern und freien Einwurfgelegenheiten, dann hätten sich beide Teams bereits vor dem Seitenwechsel zwischen 25 und 30 erzielter Treffer bewegt.

Das gilt auch noch für Hälfte zwei, wo dann am Ende von beiden Kontrahenten die 40iger Marke wohl deutlichst überschritten worden wäre. Das schnelle Spiel fesselte die Anwesenden. Es war eine Begegnung, nahezu ohne Leerlauf, in der beiden Mannschaften ihre Momente hatten. Aber oft in den Nuancen mit den Vorteilen beim Tabellenzweiten Rimpar. Dass diese Mannschaft mit allen Wassern gewaschen ist, davon konnten sich die Zuschauer immer wieder überzeugen.

Vielleicht braucht man in dieser Klasse auch diese Abgebrühtheit um letztlich ganz vorne in der Tabelle mitzumischen. Die Gastgeber ihrerseits bewegten sich an diesem Tage aber auf nahezu identischem Niveau, was diese Begegnung auch zum echten Spitzenspiel werden ließ. Nur in einigen Phasen fehlte den Hausherren der Killerinstinkt bei der Verwertung der gebotenen Gelegenheiten und das war gleich in der Anfangsphase mehrmals so, wo sich vor allem auf Außen die Möglichkeiten boten.

Genau genommen bestand früh die Gelegenheit selber in Führung zu gehen und dann hätten man bei ähnlicher Torfolge vielleicht selber einen Zeitraum X aus eigener Führung heraus agieren können. Aber alles Nachkarten hilft nicht. Die Partie ist nicht ein zweites Mal zu spielen und hat punktetechnisch Rimparer Wünsche erfüllt. Dass Darek Zach auch noch in der Schlussphase verletzt ausschied und eine Lücke hinterließ, schmerzt die Gastgeber zusätzlich.

Es waren eben die kleinen Nackenschläge, die den Frankenwäldlern in dieser Partie am Ende nur die zweite Rolle des Siegers überließen. Wohlgemerkt aber nur von der Rechnung Punktgewinne/Punktverluste her gesehen. Der Auftritt der Seiferth-Schützlinge war einer der besten in der laufenden Saison, wozu vor allem auch ein starker Gegner seinen Teil dazu beigetragen hat, der den Hausherren alles abforderte.

In der Form wird die SG DJK Rimpar II ein heißer Anwärter für den Regionalligaaufstieg über den Umweg Relegation sein. Die SG ihrerseits sollte mit ähnlichen Leistungen stark genug sein, um die restlichen Punkte zum Klassenerhalt in den kommenden Partie zu sichern. Für die Mannen um Jonas Roßner und Jakob Pritschet, die auch diesmal wieder zu den Aktivposten im Teams gehörten, besteht am kommenden Samstag ab 19:30 Uhr erste Gelegenheit dazu beim TSV Roßtal.

SG Helmbrechts/Münchberg – SG DJK Rimpar II        38:39    (20:22)


SG Helmbrechts/Münchberg: Hurt, Behrens – Panzer (1), S. Pritschet (3), Zach (7), Schrepfer, Bär (5/5), Pöhlmann (2),  Mares (3), Gmach, Merz (1), Opel, Ja. Roßner (3), Jo. Roßner (4),  J. Pritschet (9).

Schiedsrichter: Heckel / Symander (Ansbach)  Zuschauer: 270. – Zeitstrafen: 4; 5.  – Siebenmeter:  7/5; 5/2.