Saisonfinale in der Gymnasiumhalle. Die eigene Vorgabe, die Saison mit einem Sieg zu beenden, sich damit noch an Erlangen-Bruck II vorbei auf den vierten Rang in der Abschlusstabelle zu schieben, ist der SG voll und ganz geglückt. Diese Platzierung ist letztlich auch ein Stück weit Belohnung für eine Saison, wie sie verrückter nicht hätte sein können.

Und verrückt, das ist vielleicht auch die richtige Bezeichnung für das, was sich am Samstag auf dem Hallenboden und drumherum in der Münchberger Gymnasiumhalle über die gesamte Distanz abgespielt hat.

Michelfeld ist eine kleine Gemeinde mit ca. 420 Einwohnern im Landkreis Kitzingen. So steht es geschrieben und gefühlt hat sich mindestens ein Viertel mit Privatautos und Bussen auf die Reise nach Münchberg begeben um ihren Team den Rücken für die noch vorhandene theoretische Chance auf den Relegationsplatz zu stärken. Hat es sowas schon einmal gegeben? Seit Bestehen der SG noch nicht und selbst eingefleischte Helmbrechtser und Münchberger Urgesteine konnten sich nicht daran erinnern, dass einmal die Gastmannschaft das Stimmungszepter und damit die Regentschaft in der Halle übernahm.

Unter den weit über 300 Zuschauer, die einen würdigen Rahmen für den Saisonabschluss boten, war eine Riesenstimmung. Wohlgemerkt in beiden Fanblöcken, wobei aus heimischer Sicht fairerweise zugegeben muss, dass der kreative Sangeswettstreit klar an die Gäste ging. Das war dann aber auch schon der einzige Erfolg, den die Unterfranken an diesem Tag für sich verbuchen konnten. Durch die Niederlage rutschten sie auf Rang acht und damit auf einen direkten Abstiegsplatz ab.

Wer zudem große Freude an dieser Begegnung haben durfte, waren die Statistiker. Einige nennenswerte Blöcke sollten deshalb in der Auflistung nicht unerwähnt bleiben. Zum Beispiel die Torfolge aus dem ersten Drittel der Begegnung, wo die Gastgeber über 4:1, 10:4, 12:5 bis nach 23 Minuten auf 13:7 stellten.

Dass es zu diesem klaren Zwischenstand kam, hatte einzig und allein einen Namen. Lukas Hurt im SG-Gehäuse. Er trieb die Gäste mit seinen Paraden in den ersten 20 Minuten an den Rand des Wahnsinns. Egal, von wo aus auch immer der SVM zum Wurf ansetzten – Endstation Hurt und das galt auch für die Strafwürfe.

Wohl selten hatte der Begriff  „Wechselbad der Gefühle“ seine Berechtigung so treffend gefunden, wie in dieser Partie. Bei den Gästen stand zwischenzeitlich Fabian Tatzel zwischen den Pfosten und dieser wollte nach seiner Einwechslung sofort seinem Gegenüber nacheifern. Kurzum, gelungen! Denn ab diesem Zeitpunkt kam gewaltig Sand in die SG-Angriffsmaschinerie. Es reichte gerade mal so, um mit 13:11 noch einen knappen 2-Tore-Vorsprung mit in die Kabine zu nehmen.

Doch zurück zurStatistik. Es war nach dem 12:5 ein 6:1-Lauf der Gäste, die damit die ersten 20 Minuten total auf den Kopf stellten. Doch es sollte nach dem Seitenwechsel noch  toller kommen. Nach zwischenzeitlichen Treffern von Roßner und Pritschet, die diesmal neben Panzer, Reif und Troßmann zu den Aktivposten im Heimteam gehörten, schien sich alles wieder auf Seiten der Heimmannschaft zu schlagen.

Weit gefehlt. Was jetzt folgt, war ein Fehlwurffestival bei den Gastgebern oder umgekehrt. Gästekeeper Tatzel steigerte sich in einen Rausch zwischen den Pfosten. Es zog im Alleingang den Hausherren den Zahn. Es folgten zwölf torlose Minuten der Gastgeber. Die Partie ist dadurch nach dem 16:12 komplett an die Gäste gekippt. Den Unterfranken gelang der nächste Lauf, diesmal mit 6:0 und damit der eigenen 16:18 Führung.

Die Hoffnung, mit einem Sieg in Münchberg doch noch die Chance auf den Relegationsplatz zu wahren, war plötzlich greifbar nahe. Für die Spielgemeinschaft aus Helmbrechts und Münchberg schien in Minuten der Sieg wie eine Seifenblase zu platzen. Obwohl es die Fans an Unterstützung nie fehlen ließen und auf den Rängen alles gaben, schienen den Hausherren die Felle davonzuschwimmen. Mitgrund dafür war aber auch, ein unbändiger Kampfgeist und Siegeswille, den die Kitzinger Vorortler in ihrem Reisegepäck hatten.

Doch als deren Fangesänge sich dem Höhepunkt näherten, kippte die Partie erneut. Warum? Weil jetzt Routiner Dominik Aust für Minuten die Fäden in die Hand nahm und Lukas Hurt zurückkam. Was jetzt folgte, war eine Einmannshow zwischen den Pfosten. Allein was Hurt an freien Bällen wegnahm, verdient das Prädikat „Extraklasse“.

Den Gästen gelang nichts, aber auch rein gar nichts mehr. Vor allem kein zählbarer Erfolg. In der der. 47. Minute warf Ansgar Ochel den 18. Michelfelder Treffer. Julian Henning gelang 6 Sekunden vor der Schlusssirene das 19. Gästetor zum 19:24 Endstand. Genau 13 Minuten und 39 Sekunden hielt Hurt seinen Kasten sauber. ein weiterer Beleg dafür, dass dieses Abschlussmatch von beeindrucken Serien lebte. Ob positiv oder negativ, da war für den Moment immer ausschlaggebend,  welches Team gerade Profiteur der Läufe war.

Doch wie bei fast allen Statistiken kommt meist das Herausragende am Ende. Die Protagonisten waren klar die Torstehen Tatzel auf Michelfelder und Hurt auf SG-Seite. Während es der Gästetorsteher auf eine Quote von um die 40 % gehaltener Bälle brachte, lag die Quote bei Hurt sogar noch etwas höher. Die gehalten Siebenmeter auf beiden Seiten toppen das Ganze.

Tatzel 2 von 3 macht 66 % Prozent. Hurt, der hat alle 4 Strafwürfe meisterte, liegt damit bei derTraumquote von 100 %. Diese Zahlen stehen für sich!

Das Fazit verbleibt diesmal beim Dominik Aust, der auf den Feld das Sagen hatte, während Holger Steinert auf der Bank Regie führte. Beiden vertraten SG-Trainer Christian Seiferth, der sich auf einem Weiterbildungslehrgang befand.

Dominik Aust abschließend:

Michelfeld hat uns nochmal alles abverlangt – auf dem Spielfeld sowie von den Rängen aus. Ich bin froh, dass wir über 60 Minuten dank einer überragenden Einstellung und der insgesamt auch besseren Leistung in Abwehr, Angriff und v.a. auf der Torhüter-Position einen erfolgreichen Saison-Abschluss feiern konnten.

 

HANDBALL            MÄNNER            Landesliga/Nord

SG Helmbrechts/Münchberg – SV Michelfeld            24:19            (13:11)

SG H/M:
Hurt, Behrens (Tor);
Benjamin Aust (1/1), Kalas, Panzer (6), Dominik Aust, Reif (4), Bär, Mayer, Merz, Lad (1), Troßmann (4), Roßner (3), Pritschet (5).

Schiedsrichter: Münch/Öhrlein (Waldbüttelbrunn) leiteten sicher und konsequent

Zuschauer:   330

Zeitstrafen: 2; 4.

Siebenmeter: 3/1; 4/0.

Spielfilm: 2:0, 4:3, 7:3, 10:4, 12:5, 13:7,13:11 (HZ); 16:12, 16:18, 24:18, 24:19.