Eine sportliche Watsch`n zum Auswärtsauftakt für die Handballer der SG Helmbrechts/Münchberg in der Oberliga/Nord! 26:39, eine Niederlage die Freiraum für Gedanken bietet. Waren es die Erinnerungen an die Vorsaison, wo in Auerbach mit dem seinerzeit knappen und glücklichen 22:21 Erfolg der Knoten nach langer Durststrecke in der dortigen Helmut-Ott-Halle endlich geplatzt ist. Oder war es der Schub des souveränen Heimerfolges aus der Vorwoche gegen die HSG Rödental/Neustadt, der dem Team vielleicht eine Portion zu viel Selbstsicherheit mit auf den Weg gab.

Vielleicht war es auch die Tatsache, dass in dieser Spielklasse sowieso wieder jeder jeden schlagen kann und auch wird. Warum also nicht den Vorjahreserfolg an gleicher Stätte wiederholen. Könnte gedanklich im Vorfeld so passiert sein. Doch dann muss man diese Gedanken zusammen packen und auf dem Parkett versuchen umzusetzen. Vorneweg: Es ist bei dem Versuch geblieben – Umsetzung Fehlanzeige!

Die B-Seite der Medaille ist die aus Sicht der Gastgeber. In der letzten Woche spielfrei wollte die SG Auerbach/Pegnitz ihren Auftakterfolg mit 36:21 gegen den HSC Bad Neustadt/Saale mit einem weiteren doppelten Punktgewinn vergolden und war deshalb vom Anpfiff weg hellwach. Am Ende der Begegnung waren die Hausherren wegen des erneut klaren Sieges vielleicht selber etwas überrascht. Allein deshalb, weil man schon lange nicht mehr zwei so deutliche Erfolge nacheinander daheim feiern durfte.

Vielleicht steht der oberpfälzer/oberfränkischen Spielgemeinschaft eine große Saison bevor. Vielleicht braucht man sich diesmal nicht mit den Mitstreitern um den Ligaerhalt duellieren. Vielleicht darf man den Blick sogar nach ganz vorne in der Tabelle richten. All das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Der erste richtige Härtetest wartet in der kommenden Woche bei der HSG Rödental/Neustadt, die bisher ihre beiden Heimspiele souverän gewann und aktuelle ebenfalls zum Spitzentrio der Liga gehört.

Mit solchen oder ähnlichen Tabellenspielen würde sich die SG Helmbrechts/Münchberg auch gerne beschäftigen, doch ist die Realität nach drei Spieltagen eine andere. Insgeheim hoffte man ja schon auf zwei Siege zum Auftakt in eigenen Hallen, um dann vielleicht jetzt in Auerbach nachzulegen. 2:4 Punkte sind die Ausbeute und dabei sah es zu Beginn gar nicht so schlecht aus.

„Wir sind gut reingekommen, hätten in den ersten Minuten noch höher führen können.“ So Trainer Jens Brett. Das war die Phase bis zur 11. Minute wo der Gast vom 0:2 bis zum 3:5 immer mit zwei Treffern Differenz in Front lag. Doch mit einem Doppelschlag durch Tim Bäßler, dem ein weiterer Treffer von Jan Rohrbach folgte, kippte die Partie auf Seiten der Hausherren.

Ab der 13. Minute liefen die Gäste einen Rückstand hinterher, den sie nicht ein einziges Mal mehr egalisieren konnten. Auerbach/Pegnitz war jetzt im Spiel und wie! Entgegen kam den Hausherren die Tatsache, dass die Gäste zum unpassendsten Moment ihre ersten Fehlwürfe einstreuten, die von Minute zu Minute in ein regelrechtes Fahrkarten-Festival mündeten.

Hinzu kam, dass ab der 16. bis 20. Spielminute Auerbach/Pegnitz in der Abwehr aggressiver zu Werke ging und dabei die positive Wurfauswahl der Gäste stoppte. Da war es nicht verwunderlich, dass in dieser Phase gleichzeitig das Selbstvertrauen der Gastgeber im eigenen Angriff stieg und erfolgreiche Abschlüsse aus allen Lagen folgten.

Von diesem Spielverlauf wurden die Gäste überrollt und vergaßen dabei ab und an die Grundregeln des Handballs in Abwehr und Angriff. Die Defensive wurde schwächer, die Feinabstimmung fehlte in allen Bereichen. In der Folge erzielten die Hausherren ihre Tore immer mehr über Rückraum und über den Kreis. Die Vorahnung im Hinblick auf diese Partie aus Helmbrechts/Münchberger Sicht sollte sich bewahrheiten.

Das Augenmerk verstärkt auf fünf Akteure richten hieß es in der Vorschau. Genau die zogen das Geschehen in der Folge immer weiter an sich. Jan, Jonas und Fabian Rohrbach erzielten zusammen 13 Treffer. Maxim Pangraz und David Klima 11. Erschwerend für die Frankenwäldler gesellte sich hinzu, dass die Gastgeber jederzeit in der Lage waren, die Verantwortung auch auf die Nebenleute zu übertragen. Insgesamt 11 Torschützen sprechen eine deutliche Sprache.

So war es nach dem anfänglichen 3:5 ein Auerbach 15:7-Lauf der den 18:12 Pausenstand brachte. Bei der Gäste-SG war man sich im Klaren. Jetzt aus der Kabine raus, Ärmel hochkrempeln und noch einmal alles in die Waagschale werfen. Vielleicht geht ja doch noch etwas in Richtung Punktgewinn oder zumindest mit einem achtbaren Ergebnis aus der Nummer herauszukommen.

Ein Doppelschlag sofort nach Wiederanpfiff durch David Klima setzte diesem Vorhaben ein jähes Ende. War es aus Gästesicht bis zur Halbzeit noch halbwegs erträglich, so waren die zweiten dreißig Minuten komplett zum Vergessen. Zum fehlenden eigenen Tempospiel gesellten sich Probleme im Positionsspiel. Es lief bei den Mannen aus Helmbrechts und Münchberg rein gar nichts mehr zusammen.

Im gleichen Maße bauten die Gastgeber ihren Vorsprung immer weiter aus und hatten zudem das Glück, dass fast jedem gegnerischem Fehlwurf ein eigener Treffer folgte. „Hüben top – drüben flop.“ So ist der klare Heimerfolg der SG Auerbach/Pegnitz am ehesten zu erklären. Was jetzt den Schützlingen von Trainer Jens Brett bleibt, die Partie schnell abhaken und dann am kommenden Samstag sich in der Helmbrechtser Göbelhalle gegen den HC Sulzbach-Rosenberg wieder auf seine Tugenden besinnen.

Die Stimmen zum Spiel konnten aus den hängenden Köpfe heraus gelesen werden , mit denen die Gäste aus der Halle schlichen.

Trainer Jens Brett formulierte es abschließend so.
„Wir haben es leider nur in der ersten Viertelstunde geschafft unseren Matchplan umzusetzen. Danach hat Auerbach-Pegnitz übernommen und sich in einen Flow gespielt, den wir nicht mehr stoppen konnten.“

„Wir müssen es schaffen unsere Leistung 60 Minuten auf die Platte zu bringen und weiter an der Abstimmung der Mannschaftsteile in Angriff und Abwehr zu arbeiten. Es muss mehr Konstanz rein und die Schwankungen abgebaut werden.“ So Brett zusammenfassend schon wieder den Blick nach vorne gerichtet.

SG Auerbach/Pegnitz – SG Helmbrechts/Münchberg 39:26 (18:12)

SG Helmbrechts/Münchberg: Behrens, Biller; Panzer (1), S. Pritschet (4), Schrepfer, Bär, Merz (1), Gmach (2), Ja. Roßner (2), Zach (6), Jo. Roßner (3), Ja. Pritschet (6), Opel (1).

Schiedsrichter: Henrich (Landshut) / Plötz (Bayreuth) Zuschauer: 250. – Zeitstrafen: 5; 1. Rote Karte: Tim Bäßler Auerbach (49. Min.) – Siebenmeter: 3/2; 5/2.